LEBENDIGES TREIBEN IN DER PFARREI ST. MARTIN

Die Kirchen haben in unserer Gesellschaft an Relevanz verloren. Die Zahlen der Austritte bestätigen dies. Gerade deshalb lohnt es sich, hier in Lostorf bei der Kirche einmal etwas genauer hinzuschauen. Da bewegt sich vieles: Im Sigristenhaus tanzen die Füsse, im Pfarrhaus erklingt das Lachen der Kinder und in unserem Kirchturm flattern Fledermäuse – die Gebäude unserer Pfarrei sind voller Leben.
Unsere St. Martinskirche ist von ihrem Stil her sehr eigenwillig, fehlt ihr doch eine klare Stilrichtung. Sie gehört zu den «gewachsenen» Kirchen und wurde über Jahrhunderte immer wieder vergrössert, um- und ausgebaut. Für unsere Pfarrei ist jedoch das aktive Innenleben wichtig. In der Kirche wird gebetet, geheiratet, getrauert, gelacht, getauft, zur Ruhe gekommen, gesungen und so mancher Apéro nach dem Gottesdienst genossen.
Auch wenn die Kirche geschlossen ist, gibt es Bewegung im Gebäude. Im Kirchturm lebt eine Kolonie
geschützter brauner Langohrfledermäuse, die dort ihre Jungen zur Welt bringen. Seit 2017 ist auch ein
Turmfalkenpaar im Turm zurück, dessen Flugübungen mit ihren 2-4 Jungen jedes Jahr zu beobachten sind.
Es ist schön, dass unsere ehrwürdige Kirche auch Tieren einen Lebensraum bietet. Vielleicht huscht ja auch noch das eine oder andere Kirchenmäuschen durch die Kirche.
In den Jahren 1992/1993 wurde die Scheune des ehemaligen Sigristenhauses in ein Pfarreiheim umgestaltet, das heutige Sigristenhaus. Gerade im Sigristenhaus ist ein aktives Pfarreileben sichtbar. Regelmässig trifft sich die Frauengemeinschaft zu den unterschiedlichsten Anlässen. Es gibt immer viel zu Erzählen und Lachen. Wird es sehr laut und rennen Kinderfüsse durchs Haus, treffen sich Kinder zur Sternstunde oder Sternschnuppe oder Ministranten zu einem Hock. Auch bei der Vorbereitung auf die Erstkommunion oder Firmung wird es lebhaft und zugleich besinnlich im Sigristenhaus. Erfüllen singende Frauen -und Männerstimmen das Haus, probt die Kirchenchor-Familie für ihre Einsätze.
Klappern Absätze zum gleichen Rhythmus auf dem Boden und schwingt Countrysound durch das Haus, probt die Line-Dance Gruppe. Stehen Kinderwagen vor dem Haus und krabbeln Kinder im Inneren, ist die Mütter -und Väterberatung da. Herrscht an gewissen Abenden eine konzentrierte Ruhe, sitzen die Frauen und Männer des Kirchenrates am Tisch und besprechen wichtige Fragen zu Finanzen, Personal und Gebäuden. Die Räume werden auch regelmässig für Sitzungen durch auswertige Gruppierungen in Anspruch genommen und können auch für Geburtstagsfeiern und Familienfeste gemietet werden. Es werden immer wieder regelmässig Kurse zu verschiedenen Themen angeboten und durchgeführt – so
können Ende November beispielsweise Adventskränze gebunden werden.
Jeden ersten Freitag im Monat trifft sich die ökumenische Gesprächsgruppe, um sich über eine Vielzahl von Themen auszutauschen. Nach besonderen Feiern gibt es oft einen Apéro, organisiert von einer eigens dafür gegründeten Apéro-Gruppe. Die Menschen der Pfarrei schätzen das gesellige Beisammensein und Feiern gerne miteinander.
Das spätgotische, massive Pfarrhaus wurde 1566 erbaut. Es ist manchmal ganz gut, dass die dicken Mauern eine gute Schalldämmung bilden. Der Hauptteil des Hauses wird von der Kita Kinderburg genutzt, wo Kinder lachen, spielen, toben und singen. Es herrscht vielfältiges Leben in diesem altehrwürdigen Haus. Zweimal am Tag marschieren die Kleinsten mit ihren Betreuerinnen am Pfarrsekretariat vorbei und beleben für einen kurzen Augenblick die Arbeit im Sekretariat.
Den Martinskeller nutzt OJALO, die Offene Jugendarbeit Lostorf. Kinder und Jugendliche können hier sinnvolle Freizeit verbringen und gemeinsam etwas erleben. Der Keller dient auch als Sitzungsraum für den Pfarreirat und die Besuchsgruppe, welche Menschen mit runden Geburtstagen besucht, zum Verpacken der Fastenopferunterlagen und zum Palmsträusschen binden.
Gegenüber im Schöpfli bewahrt die Jungmannschaft ihr Material auf und die Ministranten nutzen ihren Raum für Höcks und kleine Feste.
Trotz abnehmender Mitgliederzahlen der katholischen Kirche, ist es schön, zu sehen, dass in den Räumen der Pfarrei Lostorf zahlreiche Menschen und auch Tiere ein und aus gehen und hier ein Stück Heimat finden.