Energie- & Klimastrategie für Lostorf: Analyse und Workshops
Nachdem wir in der letzten Ausgabe des 3Rosenblattes über den Start der Energie- & Klimastrategie informiert haben, wurde inzwischen eine erste Analyse des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen der Gemeinde erstellt. Wie erwartet, erwies sich diese Aufgabe als anspruchsvoll.
Für die gemeindeeigenen Liegenschaften lässt sich beispielsweise nur abschätzen, wie sich der gesamte Stromverbrauch auf Heizung, Warmwasser, Haushaltgeräte und Beleuchtung verteilt, da teilweise die notwendigen Messdaten fehlen. Auch bei den privaten Liegenschaften stösst man an Grenzen. Wohl erfasst das eidgenössische Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) für die meisten beheizten Gebäude den Heizungstyp. Diese Angaben sind jedoch nicht in jedem Fall vollständig oder aktuell. Zudem ist für die Energie- & Klimastrategie nicht nur die Art des Heizsystems relevant, sondern vor allem der tatsächliche Energiebedarf der Gebäude – und dieser ist nirgends erfasst. Auch der Energieverbrauch der Mobilität, sowohl für die gesamte Gemeinde als auch für den gemeindeeigenen Fahrzeugpark, kann nur geschätzt werden.
Trotz gewisser Unsicherheiten liefert die Analyse eine erste Grundlage, um den heutigen Energieverbrauch einzuordnen, um daraus geeignete Massnahmen sowie realistische Ziele abzuleiten.
Ein Beispiel dieser Analyse zeigt die unterschiedlichen Heizsysteme der gemeindeeigenen und privaten Gebäude. Die gemeindeeigenen Liegenschaften benötigen mit ca. 488 MWh pro Jahr weniger als ein Prozent des gesamten Wärmebedarfs in Lostorf. Dieses Prozent wird grösstenteils durch Holz gedeckt. Holz gilt derzeit als CO2-neutraler Energieträger, auch wenn seine energetische Nutzung zunehmend kontrovers diskutiert wird.
Der gesamte Wärmebedarf der Energiestadt Lostorf wird für das Jahr 2025 auf rund 51’000 MWh geschätzt. Das entspricht pro Einwohnerin und Einwohner etwa 12’400 kWh oder rund 1’240 Litern Heizöl pro Jahr. Gut die Hälfte (51 %) dieses Wärmebedarfs wird heute bereits durch erneuerbare Energieträger wie Umweltwärme, Holz und Wärmepumpen-Strom gedeckt.
Neben der Grundlagenarbeit fand bereits ein erster Workshop mit rund 20 Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderates, der Fraktionen und verschiedener Kommissionen statt. Gemeinsam wurden mögliche Massnahmen diskutiert, mit denen die Energiestadt Lostorf zur Erreichung der drei energie- und klimapolitischen Hauptziele der Schweiz beitragen kann: den Energieverbrauch senken, den CO2-Ausstoss reduzieren und die Produktion erneuerbarer Energien ausbauen.
Im Mittelpunkt standen jene Bereiche, in denen die Einwohnergemeinde bzw. die Energiestadt selbst Handlungsmöglichkeiten besitzt – insbesondere gemeindeeigene Gebäude und Anlagen, Fahrzeuge, Parkplätze sowie öffentliche Infrastruktur. Dabei entstanden zahlreiche Ideen, die nun vom beauftragten Ingenieurbüro hinsichtlich Kosten, Nutzen und Wirkung bewertet werden. Darauf aufbauend werden konkrete Ziele erarbeitet und dem Gemeinderat vorgeschlagen. Das Projektteam hat bewusst zuerst mögliche Massnahmen gesammelt und bewertet, bevor Ziele definiert werden. So können realistische und umsetzbare Zielsetzungen entwickelt werden.
Im zweiten Workshop stehen neben den Zielen insbesondere die Rolle der Einwohnergemeinde bezüglich. der Energiestadt bei deren Umsetzung im Mittelpunkt. Vor allem dort, wo Massnahmen den Bereich privater Eigentümerinnen und Eigentümer betreffen könnten, wird sorgfältig zu klären sein, welche Aufgaben tatsächlich in den Verantwortungsbereich der Gemeinde fallen.
Energiegemeinschaften: ZEV, vZEV und LEG
Mit Energiegemeinschaften können mehrere Gebäude den lokal produzierten Solarstrom gemeinsam nutzen. Je nach Ausgangslage erfolgt dies innerhalb eines Gebäudes oder Grundstücks (ZEV), über mehrere benachbarte Grundstücke (vZEV) oder – mit der neuen Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) – sogar über das öffentliche Verteilnetz innerhalb eines Quartiers.
Besonders interessant sind Energiegemeinschaften für Strombezügerinnen und Strombezüger. Sie können einen Teil ihres Stroms aus lokal produzierter Solarenergie beziehen und dadurch von tieferen Stromkosten profitieren, da ein Teil der Netznutzungskosten entfällt. Gleichzeitig eröffnen Energiegemeinschaften den Betreiberinnen und Betreibern von Photovoltaikanlagen die Möglichkeit, ihren Solarstrom direkt an Nachbarinnen und Nachbarn zu verkaufen, und so einen höheren Erlös zu erzielen, als bei der Einspeisung ins öffentliche Netz.
Am Energiestadt-Themenabend vom 10. Juni 2026 zeigte sich das grosse Interesse der Bevölkerung am Thema lokale Energiegemeinschaften. Besonders erfreulich war Beteiligung von einem Viertel aller Eigentümerinnen und Eigentümer von Photovoltaikanlagen.
Die Arbeitsgruppe Energiestadt wird die weiteren Aktivitäten für Gemeinde und Bevölkerung koordinieren, den Austausch mit unserem Verteilnetzbetreiber Primeo pflegen und gewonnene Erkenntnisse laufend weitergeben. Alle wichtigen Informationen werden in der neuen Rubrik «Energiestadt» auf der Gemeindewebsite veröffentlicht.
Die nächste Gelegenheit zum persönlichen Austausch bietet sich am Dorfmäret vom 5. September 2026. Dort stehen Mitglieder der Arbeitsgruppe Energiestadt sowie Vertreter der Primeo Energie für Fragen rund um ZEV, vZEV und LEG zur Verfügung
Der Gründung von ZEV, vZEV oder LEG durch private Initianten steht grundsätzlich nichts im Wege. Da die Primeo Energie aufgrund der Datenschutzbestimmungen kaum Informationen zu bestehenden oder geplanten Projekten weitergeben darf, sind wir dankbar, wenn private Initiativen der Arbeitsgruppe Energiestadt gemeldet werden. So können wir – wo sinnvoll – Kontakte vermitteln und die Koordination unterstützen.
Für Fragen oder Mitteilungen rund um Energiegemeinschaften
erreichen Sie uns unter: energiestadt@lostorf.ch

